Spargelcremesuppe wie bei Johann Lafer: Warum du die Schalen mitkochen solltest

Anfang Frühling, wenn die ersten weißen Stangen auf den Märkten auftauchen, beginnt in deutschen Küchen eine kurze, intensive Jahreszeit. Spargel ist Luxus mit Verfallsdatum — und wer ihn schält, wirft dabei oft das Beste weg. Die Schalen, die Köche wie Johann Lafer schon lange in den Topf geben, tragen einen Großteil des Aromas in sich: Sie verwandeln eine einfache Cremesuppe in etwas, das nach echtem Spargel schmeckt, nicht nach Sahne und Salz.

Diese Spargelcremesuppe folgt dem Prinzip, das der Rheinland-Pfälzer Starkoch seit Jahren propagiert: nichts verschwenden, alles auskochen, das Produkt sprechen lassen. Wer einmal einen Fond aus Spargelschalen und -enden zieht, wird die Schalen nie wieder im Biomüll verschwinden lassen. Das Rezept ist mit etwas Geduld für alle machbar — die Küche duftet dabei nach Frühling.

Vorbereitung20 Min.
Kochzeit50 Min.
Portionen4 Personen
SchwierigkeitsgradMittel
Kosten€€
SaisonWeißer Spargel, Frühlingszwiebeln, frischer Schnittlauch

Geeignet für: Vegetarisch · Glutenfrei

Zutaten

Für den Spargelfond

  • Schalen und holzige Enden von 1 kg weißem Spargel
  • 1,5 l kaltes Wasser
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Zucker
  • 1 EL Butter
  • 1 Lorbeerblatt
  • 3 weiße Pfefferkörner

Für die Suppe

  • 1 kg weißer Spargel (geschält, Schalen für den Fond verwenden)
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 2 EL Butter
  • 2 EL Weizenmehl Type 405 (oder Speisestärke für glutenfreie Variante)
  • 200 ml Sahne (mind. 30 % Fett)
  • 100 ml trockener Weißwein [z. B. Riesling Spätlese trocken]
  • Salz, weißer Pfeffer, frisch geriebene Muskatnuss
  • 1 Prise Zucker
  • 1 TL frischer Zitronensaft

Zum Anrichten

  • Frischer Schnittlauch, fein gerollt
  • Ein Schuss geschlagene Sahne oder Crème fraîche (optional)
  • Einige Spargelspitzen, kurz blanchiert

Ustensilien

  • Sparschäler
  • Großer Topf (mind. 2,5 l)
  • Mittlerer Topf für den Fond
  • Feines Sieb oder Passiertuch
  • Stabmixer oder Standmixer
  • Schneebesen
  • Schöpfkelle
  • Kleine Pfanne zum Blanchieren der Spargelspitzen

Zubereitung

1. Spargel schälen und vorbereiten

Den Spargel vom Kopf zur Basis hin schälen — nicht umgekehrt, um die zarten Spitzen zu schützen. Die Schalen beiseitelegen, nicht wegwerfen. Das holzige untere Ende jeder Stange (etwa 2–3 cm) abschneiden: Zu erkennen ist es daran, dass es sich beim Biegen nicht mehr widerstandslos bewegt. Die Spargelstangen der Länge nach halbieren und die Spitzen (etwa 4 cm) gesondert aufbewahren — sie werden später als Einlage verwendet. Den restlichen Spargel in gleichmäßige Stücke von etwa 3 cm schneiden.

2. Spargelschalenfond ziehen

Die Spargelschalen und holzigen Enden in den mittleren Topf geben. Mit 1,5 l kaltem Wasser aufgießen — immer kalt ansetzen, damit sich die Aromen langsam und vollständig lösen können. Butter, Salz, Zucker, Lorbeerblatt und Pfefferkörner zugeben. Langsam auf mittlere Hitze bringen, sobald er simmert — also leise köchelt, ohne zu sprudeln — die Hitze auf klein reduzieren. 25–30 Minuten ziehen lassen. Der Fond soll eine leicht gelbliche Farbe annehmen und intensiv nach Spargel duften. Anschließend durch ein feines Sieb passieren und den Fond warm halten. Dieser Schritt ist der Kern des gesamten Rezepts: Ohne ihn bleibt die Suppe flach.

3. Spargelstücke dünsten

In einem großen Topf 1 EL Butter bei mittlerer Hitze schmelzen lassen. Die gewürfelte Schalotte darin glasig schwitzen — sie soll keine Farbe nehmen, sondern weich und durchscheinend werden, das dauert etwa 3–4 Minuten. Die Spargelstücke (ohne die Spitzen) zugeben und kurz mit anschwitzen, etwa 2 Minuten. Den Weißwein angießen und bei starker Hitze vollständig einkochen lassen, bis der Alkohol verflogen ist und ein konzentriertes, leicht süßlich-fruchtiges Aroma im Topf zurückbleibt.

4. Mehlschwitze und Fond einarbeiten

Das Mehl über das Spargel-Schalotten-Gemisch stäuben und unter ständigem Rühren mit dem Schneebesen 1–2 Minuten anschwitzen. Dieser Vorgang — das Anschwitzen der Mehlschwitze, auch Roux genannt — bindet später die Suppe und verhindert einen mehligen Geschmack. Den warmen Spargelschalenfond nach und nach angießen, dabei kräftig rühren, um Klumpen zu vermeiden. Sobald die gesamte Flüssigkeit eingearbeitet ist, bei kleiner Hitze 15 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Spargelstücke vollständig weich sind.

5. Suppe mixen und abschmecken

Den Topf vom Herd nehmen. Mit dem Stabmixer die Suppe vollständig pürieren — mindestens 2 Minuten lang, damit sie eine seidige, glatte Textur erreicht. Wer es besonders fein mag, passiert die Suppe zusätzlich durch ein feines Sieb. Die Sahne einrühren und die Suppe erneut kurz erhitzen, ohne sie zu kochen — sonst flockt die Sahne aus. Mit Salz, weißem Pfeffer, einer Prise Muskat, Zucker und einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. Die Säure der Zitrone hebt das Spargelaroma an, ohne es zu überdecken.

6. Spargelspitzen blanchieren und anrichten

Die zurückgelegten Spargelspitzen in leicht gesalzenem, leicht gezuckertem Wasser 3–4 Minuten blanchieren — sie sollen bissfest bleiben und ihre helle Farbe halten. Sofort in Eiswasser abschrecken, um den Garprozess zu stoppen. Die Suppe in vorgewärmte Teller schöpfen, die Spargelspitzen mittig einsetzen, einen kleinen Klecks Crème fraîche oder geschlagene Sahne dazugeben und mit fein gerolltem Schnittlauch bestreuen.

Mein Küchentipp

Wer die Suppe noch intensiver mag, gibt beim Fond einen Schuss trockenen Vermouth wie Noilly Prat direkt zu den Schalen — das öffnet die Aromen und gibt der Suppe eine subtile Tiefe, die man nicht benennen, aber sofort schmecken kann. Und noch etwas: Spargelenden und Schalen lassen sich problemlos einen Tag vor dem Kochen einfrieren, wenn man sie nach und nach sammelt. So lohnt sich der Fond auch bei kleinen Spargelmengen.

Weinbegleitung

Spargelcremesuppe braucht einen Wein, der ihre zarte Bitterkeit aufgreift, ohne sie zu überlagern. Die Balance aus Säure, leichter Frucht und mineralischer Frische ist entscheidend.

Ein Riesling Spätlese trocken aus der Mosel oder der Pfalz ist die klassische Wahl: Er bringt die nötige Säure, ein Hauch Pfirsich und Aprikose im Abgang und genug Körper, um neben der Sahne zu bestehen. Wer es etwas breiter mag, greift zu einem Grauburgunder aus Baden — weicher im Anklang, mit einem leicht nussigen Charakter, der gut zur Butter harmoniert. Als alkoholfreie Alternative passt ein naturtrüber Apfelsaft mit einem Spritzer Mineralwasser überraschend gut: Apfelsäure und Fruchtsüße spiegeln die Eigenheiten des Spargels wider.

Wissenswertes über Spargelcremesuppe

Weißer Spargel wird in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert kultiviert, zunächst als Heilpflanze, später als Tafelfreude. Die intensive Zucht weißer Sorten — unter Erddämmen ohne Lichteinfall angebaut, um die Bitterstoffe zu reduzieren — wurde im 19. Jahrhundert vor allem in der Rheinebene und in Niederbayern perfektioniert. Die deutsche Spargelcremesuppe, Spargelcremesuppe, ist eine Weiterentwicklung der klassischen französischen Crème d'asperges und hat ihren Weg über die gehobene Restaurantküche in die Privathaushalte gefunden.

Johann Lafer, gebürtiger Steirer und seit Jahrzehnten einer der einflussreichsten Köche im deutschsprachigen Raum, hat die handwerkliche Sorgfalt im Umgang mit Spargel — besonders das Auskochen der Schalen — einem breiten Publikum über seine TV-Sendungen und Kochbücher nahgebracht. Die Idee selbst ist keine Erfindung: Schon Auguste Escoffier beschrieb das Potenzial von Gemüseschalen als Aromaträger. Lafer hat daraus eine Grundregel gemacht, die heute in keiner seriösen deutschen Spargelküche mehr fehlt.

Nährwerte (pro Portion, Richtwerte)

NährstoffMenge
Energie~280 kcal
Eiweiß~6 g
Kohlenhydrate~18 g
davon Zucker~5 g
Fett~20 g
Ballaststoffe~3 g

Häufige Fragen

Warum sollte man die Spargelschalen wirklich mitkochen?

Die Schalen enthalten einen großen Teil der ätherischen Öle und Bitterstoffe, die für den typischen Spargelgeschmack verantwortlich sind. Wer sie wegwirft, verliert bis zu einem Drittel des Aromas. Ein Fond aus Schalen und Enden kostet kaum Mehraufwand und macht den Unterschied zwischen einer cremigen Sahnesuppe und einer echten Spargelsuppe aus.

Kann man die Suppe vorbereiten?

Ja, und sie lässt sich sogar bis zu 2 Tage im Voraus zubereiten. Die Suppe ohne Sahne vollständig fertigstellen, abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. Beim Aufwärmen erst dann die Sahne einrühren und vorsichtig erhitzen. So behält die Suppe ihre seidige Textur und die Sahne flockt nicht aus.

Welche Varianten sind möglich?

Grüner Spargel eignet sich ebenfalls hervorragend — der Geschmack ist kräftiger und leicht grasig, die Suppe bekommt eine ansprechende grüne Farbe. Die Schalen müssen beim grünen Spargel nicht geschält werden, aber die Enden sollten trotzdem mitgekocht werden. Wer auf Sahne verzichten möchte, ersetzt sie durch Kokosmilch (für eine asiatische Note) oder durch pürierte gekochte Kartoffel, die der Suppe natürliche Bindung und Cremigkeit gibt.

Wie lange ist frischer Spargel haltbar?

Frischer weißer Spargel hält sich im Kühlschrank, in ein feuchtes Küchentuch gewickelt, 2–3 Tage. Länger lagern lässt er sich kaum ohne Qualitätsverlust — die Stangen werden holziger und verlieren an Süße. Am besten kauft man Spargel am Markttag und verarbeitet ihn noch am selben oder nächsten Tag.

Was tun, wenn die Suppe zu dünn oder zu dick geworden ist?

Zu dünn: Die Suppe offen bei mittlerer Hitze einköcheln lassen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist — das verstärkt gleichzeitig den Geschmack. Zu dick: Einfach etwas heißen Spargelschalenfond (oder Wasser) einrühren und abschmecken. Nie mit kalter Flüssigkeit strecken, da das die Temperatur und Textur der Suppe ungleichmäßig verändert.

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