Nutri-Score 2026: Diese beliebten Produkte werden jetzt schlechter bewertet

Nutri-Score 2026: Diese beliebten Produkte werden jetzt schlechter bewertet

Der Nutri-Score, seit seiner Einführung in Deutschland ein wichtiges Orientierungsinstrument für gesundheitsbewusste Verbraucher, hat zum Jahresbeginn 2026 eine bedeutende Überarbeitung erfahren. Die neuen Bewertungskriterien führen dazu, dass zahlreiche bekannte Lebensmittel nun deutlich schlechter abschneiden als zuvor. Diese Verschärfung zielt darauf ab, Konsumenten präzisere Informationen über die ernährungsphysiologische Qualität ihrer Nahrungsmittel zu liefern und sie zu bewussteren Kaufentscheidungen zu bewegen.

Was ist der Nutri-Score 2026 ?

Das Bewertungssystem im Überblick

Der Nutri-Score ist eine farbcodierte Nährwertkennzeichnung, die Lebensmittel auf einer Skala von A (dunkelgrün, beste Bewertung) bis E (rot, schlechteste Bewertung) einstuft. Dieses System wurde entwickelt, um Verbrauchern auf einen Blick zu zeigen, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist. Die Berechnung basiert auf verschiedenen Nährstoffkomponenten, wobei positive und negative Faktoren gegeneinander aufgewogen werden.

Die Berechnungsgrundlage

Bei der Ermittlung des Nutri-Scores werden folgende Elemente berücksichtigt:

  • Negative Faktoren wie Energiegehalt, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz
  • Positive Faktoren wie Ballaststoffe, Proteine, Obst- und Gemüseanteil
  • Spezifische Anpassungen je nach Produktkategorie

Die Version 2026 verschärft insbesondere die Bewertung von Zucker und Salz, während gleichzeitig der Gehalt an Ballaststoffen stärker honoriert wird. Diese Anpassungen spiegeln aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse wider und reagieren auf die wachsenden Gesundheitsprobleme durch übermäßigen Konsum von Zucker und Salz. Die methodischen Veränderungen werfen jedoch auch Fragen zur praktischen Umsetzung auf.

Die Änderungen an der Methodik des Nutri-Scores

Strengere Bewertung von Zucker

Die wohl bedeutendste Neuerung betrifft die Zuckerbewertung. Produkte mit hohem Zuckergehalt werden nun deutlich strenger beurteilt, selbst wenn sie Süßstoffe als Ersatz verwenden. Diese Verschärfung zielt darauf ab, den tatsächlichen Gesundheitswert eines Produkts realistischer abzubilden und irreführende Bewertungen zu vermeiden.

Aufwertung von Ballaststoffen und Proteinen

Gleichzeitig profitieren Lebensmittel mit hohem Ballaststoffgehalt von einer besseren Bewertung. Diese Änderung berücksichtigt die wichtige Rolle von Ballaststoffen für die Verdauung und die langfristige Gesundheit. Auch der Proteingehalt wird in der neuen Formel stärker gewichtet.

Anpassungen bei Fetten

Die Bewertung verschiedener Fettarten wurde differenzierter gestaltet. Während gesättigte Fettsäuren weiterhin negativ bewertet werden, erhalten Produkte mit ungesättigten Fettsäuren wie Olivenöl nun eine bessere Einstufung. Dies erklärt, warum Olivenöl von C auf B aufsteigen konnte.

KriteriumAlte BewertungNeue Bewertung 2026
ZuckerStandardVerschärft
BallaststoffeStandardAufgewertet
Ungesättigte FetteNeutralPositiv bewertet
SalzStandardVerschärft

Diese methodischen Anpassungen haben weitreichende Konsequenzen für die Bewertung zahlreicher Produkte, die bisher als relativ gesund galten. Die Auswirkungen zeigen sich besonders deutlich bei verarbeiteten Lebensmitteln.

Die Hauptprodukte, die jetzt schlecht bewertet werden

Frühstücksprodukte unter Druck

Besonders betroffen von den Verschärfungen sind Frühstücksprodukte. Das beliebte Kakaogetränkepulver Nesquik rutschte von B auf D ab, was einem Verlust von zwei Bewertungsstufen entspricht. Diese drastische Herabstufung resultiert aus dem hohen Zuckergehalt, der nun stärker sanktioniert wird.

Auch Cornflakes verschiedener Hersteller, darunter Kellogg’s, erhielten schlechtere Bewertungen. Produkte, die früher mit einem C bewertet wurden, finden sich nun häufig in der Kategorie D oder sogar E wieder.

Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte

Tiefkühlpizzen, etwa von Dr. Oetker, mussten ebenfalls Einbußen hinnehmen. Die Kombination aus hohem Salzgehalt, gesättigten Fettsäuren und geringem Ballaststoffanteil führt zu schlechteren Bewertungen:

  • Salami-Pizza: von C auf D
  • Vier-Käse-Pizza: von D auf E
  • Fertige Nudelgerichte: überwiegend Verschlechterung um eine Stufe

Milchprodukte und Joghurts

Fruchtjoghurts mit hohem Zuckergehalt werden nun kritischer bewertet. Produkte, die zuvor ein B erhielten, finden sich häufig bei C oder D wieder. Besonders betroffen sind Joghurts mit Fruchtzubereitungen, die einen hohen Anteil an zugesetztem Zucker aufweisen.

Positive Ausnahmen

Nicht alle Produkte wurden herabgestuft. Olivenöl verbesserte sich von C auf B, ebenso wie einige Vollkornprodukte mit hohem Ballaststoffgehalt. Nüsse und Samen profitieren ebenfalls von der neuen Bewertungsmethodik. Diese Veränderungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Strategien großer Lebensmittelkonzerne.

Folgen für große Marken und Händler

Rückzug namhafter Hersteller

Die verschärften Kriterien haben einige große Konzerne dazu veranlasst, sich vom Nutri-Score-System zurückzuziehen. PepsiCo und Danone gehören zu den prominenten Unternehmen, die ihre Teilnahme beendeten. Diese Entscheidung wird damit begründet, dass die neuen Bewertungen ein verzerrtes Bild ihrer Produkte vermitteln würden.

Reformulierung von Rezepturen

Andere Hersteller reagieren mit der Anpassung ihrer Rezepturen. Durch Reduktion von Zucker und Salz sowie Erhöhung des Ballaststoffgehalts versuchen sie, bessere Bewertungen zu erreichen:

  • Reduzierung des Zuckergehalts um 10 bis 30 Prozent
  • Ersatz von Weißmehl durch Vollkornmehl
  • Verringerung des Salzgehalts in Fertiggerichten
  • Anreicherung mit Ballaststoffen

Marketing und Kommunikationsstrategien

Unternehmen, die am System festhalten, passen ihre Marketingstrategien an. Produkte mit guten Bewertungen werden stärker beworben, während schlechter bewertete Artikel entweder reformuliert oder weniger prominent platziert werden. Der Handel reagiert ebenfalls, indem er gut bewertete Eigenmarken stärker bewirbt. Die Reaktionen der Verbraucher auf diese Veränderungen fallen unterschiedlich aus.

Die Reaktion der Verbraucher auf den neuen Nutri-Score

Überraschung und Verunsicherung

Viele Konsumenten zeigen sich überrascht von den neuen Bewertungen ihrer Lieblingsprodukte. Lebensmittel, die sie bisher für relativ gesund hielten, werden nun als weniger empfehlenswert eingestuft. Diese Verunsicherung führt zu intensiven Diskussionen in sozialen Medien und Verbraucherforen.

Verändertes Kaufverhalten

Erste Studien deuten darauf hin, dass die verschärften Bewertungen das Kaufverhalten beeinflussen. Verbraucher greifen vermehrt zu Alternativen mit besseren Scores oder reduzieren den Konsum bestimmter Produkte. Besonders bei Frühstücksprodukten und Snacks ist eine Verschiebung zu beobachten.

Kritik an der Freiwilligkeit

Verbraucherschutzorganisationen wie foodwatch kritisieren, dass der Nutri-Score weiterhin freiwillig bleibt. Die Direktorin von foodwatch betonte, dass eine verpflichtende Kennzeichnung notwendig sei, um echte Transparenz zu schaffen. Der Rückzug großer Hersteller unterstreicht diese Problematik. Diese Herausforderungen werfen grundsätzliche Fragen zur Wirksamkeit des Systems auf.

Die Herausforderungen der Entwicklung des Nutri-Scores für die öffentliche Gesundheit

Grenzen eines freiwilligen Systems

Die größte Schwäche des Nutri-Scores liegt in seiner Freiwilligkeit. Hersteller können selbst entscheiden, ob sie das Label verwenden, was dazu führt, dass gerade Produkte mit schlechten Bewertungen häufig keine Kennzeichnung tragen. Dies untergräbt die Transparenz und erschwert fundierte Kaufentscheidungen.

Komplexität der Nährwertbewertung

Die Bewertung von Lebensmitteln anhand weniger Kriterien stößt an Grenzen. Manche Experten argumentieren, dass wichtige Aspekte wie Zusatzstoffe, Verarbeitungsgrad oder Herkunft nicht berücksichtigt werden. Ein einzelner Score kann die Komplexität der Ernährung nicht vollständig abbilden.

Potenzial für öffentliche Gesundheit

Trotz der Kritik bietet der verschärfte Nutri-Score Chancen für die öffentliche Gesundheit:

  • Sensibilisierung für Zucker- und Salzgehalt
  • Anreiz für Hersteller zur Produktverbesserung
  • Vereinfachte Vergleichbarkeit von Produkten
  • Unterstützung bei bewussten Ernährungsentscheidungen

Internationale Perspektive

Die Entwicklung in Deutschland ist Teil eines europäischen Trends. Mehrere Länder haben ähnliche Systeme eingeführt oder verschärft. Eine europaweite Harmonisierung und verpflichtende Einführung würde die Wirksamkeit deutlich erhöhen.

Der neue Nutri-Score 2026 markiert einen wichtigen Schritt in Richtung transparenterer Lebensmittelkennzeichnung. Die strengeren Bewertungskriterien rücken die ernährungsphysiologische Qualität von Produkten stärker in den Fokus und zwingen sowohl Hersteller als auch Verbraucher zum Umdenken. Während bekannte Marken wie Nesquik oder Tiefkühlpizzen deutliche Herabstufungen erfahren, profitieren gesündere Alternativen von besseren Bewertungen. Die Reaktionen reichen von Produktreformulierungen bis zum kompletten Rückzug aus dem System. Für die öffentliche Gesundheit bietet die Verschärfung Chancen, doch die Freiwilligkeit des Systems bleibt eine zentrale Schwachstelle. Nur eine verpflichtende Kennzeichnung könnte das volle Potenzial des Nutri-Scores ausschöpfen und Verbrauchern die Transparenz bieten, die für fundierte Ernährungsentscheidungen notwendig ist.

×
WhatsApp-Gruppe