Omas Grünkohl-Eintopf mit Pinkel: Das norddeutsche Originalrezept für die letzte Winterwoche

Omas Grünkohl-Eintopf mit Pinkel: Das norddeutsche Originalrezept für die letzte Winterwoche

Der norddeutsche Winter zeigt sich in seiner letzten Woche oft noch einmal von seiner rauen Seite. Genau dann kommt ein traditionelles Grünkohl-Eintopf mit Pinkel wie gerufen. Dieses herzhafte Gericht aus Bremen und Oldenburg vereint kräftigen Grünkohl mit deftiger Pinkelwurst und verwandelt kalte Tage in kulinarische Wohlfühlmomente. Die Kombination aus dem leicht bitteren Kohlgemüse und den würzigen Fleischeinlagen macht diesen Eintopf zu einem echten Klassiker der norddeutschen Küche. Wer einmal Omas Originalrezept probiert hat, versteht, warum Generationen von Norddeutschen auf dieses Wintergericht schwören.

30

120

moyen

€€

Zutaten

Personen +

Utensilien

Zubereitung

1. Vorbereitung der Zutaten

Die Zwiebeln schälen und in feine Würfel schneiden. Den Speck ebenfalls in kleine Würfel schneiden. Das Kasseler in mundgerechte Stücke teilen. Falls ihr frischen Grünkohl verwendet, diesen gründlich waschen, die dicken Stiele entfernen und grob hacken. Bei tiefgekühltem Grünkohl könnt ihr diesen Schritt überspringen.

2. Anbraten der Basis

In einem großen Bräter das Schmalz erhitzen. Die Speckwürfel darin bei mittlerer Hitze auslassen, bis sie leicht knusprig werden. Das bedeutet, das Fett aus dem Speck tritt aus und der Speck wird goldbraun. Die Zwiebelwürfel hinzugeben und glasig dünsten. Glasig dünsten heißt, die Zwiebeln werden weich und durchscheinend, ohne braun zu werden.

3. Grünkohl hinzufügen

Den Grünkohl portionsweise in den Topf geben und unter ständigem Rühren zusammenfallen lassen. Dies dauert etwa 5 bis 7 Minuten. Der Kohl reduziert dabei deutlich sein Volumen. Mit der Gemüsebrühe aufgießen und die Haferflocken einrühren. Die Haferflocken binden später die Flüssigkeit und geben dem Eintopf eine sämige Konsistenz.

4. Fleischeinlagen hinzufügen

Das Kasseler und die Mettwürste in den Topf legen. Mit Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und dem Senf würzen. Der Zucker mildert die Bitterstoffe des Grünkohls. Alles gut vermengen und zum Kochen bringen.

5. Schmoren lassen

Den Topf mit einem Deckel verschließen und bei niedriger Hitze etwa 90 Minuten köcheln lassen. Köcheln bedeutet, die Flüssigkeit bewegt sich nur leicht und blubbert sanft. Gelegentlich umrühren und bei Bedarf etwas Wasser nachgießen, damit nichts ansetzt.

6. Pinkelwurst hinzufügen

Nach 90 Minuten die Pinkelwürste vorsichtig in den Eintopf legen. Diese dürfen nicht kochen, sondern nur ziehen. Ziehen lassen heißt, die Würste erwärmen sich in der heißen Flüssigkeit, ohne dass diese sprudelnd kocht. Weitere 30 Minuten bei sehr niedriger Hitze garen lassen.

7. Abschmecken und servieren

Das Fleisch aus dem Topf nehmen und in Scheiben schneiden. Den Grünkohl noch einmal kräftig abschmecken. Mit Salz, Pfeffer und eventuell etwas mehr Senf nachwürzen. Das Fleisch zurück in den Topf geben oder separat auf Tellern anrichten.

Helga Berkhof

Tipp vom Chefkoch

Der Grünkohl schmeckt am besten, wenn er einmal aufgewärmt wird. Bereitet ihn also gerne einen Tag vorher zu. Die Aromen verbinden sich über Nacht noch besser. Achtet darauf, dass die Pinkelwurst niemals kocht, sonst platzt die Pelle auf. Falls ihr keine Pinkelwurst findet, könnt ihr auch Bregenwurst verwenden. Ein Schuss Maggi oder Worcestersauce am Ende gibt dem Eintopf zusätzliche Würze. Traditionell wird der Grünkohl mit Salzkartoffeln oder Bratkartoffeln serviert.

Passende Getränke zum Grünkohl-Eintopf

Zu diesem deftigen norddeutschen Wintergericht passt am besten ein kräftiges Bier. Ein dunkles Bockbier oder ein malziges Schwarzbier harmoniert perfekt mit den herzhaften Aromen. Wer Wein bevorzugt, sollte zu einem kräftigen Rotwein greifen. Ein Dornfelder oder ein Spätburgunder mit ausreichend Körper kann mit der Würze des Eintopfs mithalten. Traditionell wird in Norddeutschland auch gerne ein Korn zum Grünkohl gereicht. Dieser klare Schnaps hilft bei der Verdauung der reichhaltigen Mahlzeit. Für Abstinenzler eignet sich ein Apfelsaft oder eine Apfelschorle, die mit ihrer Fruchtsäure einen schönen Kontrast bildet.

Zusätzliche Info

Der Grünkohl-Eintopf mit Pinkel ist mehr als nur ein Gericht – er ist ein norddeutsches Kulturgut. Besonders in Bremen und im Oldenburger Land wird die Kohlfahrt zelebriert. Dabei wandern Gruppen im Winter durch die Landschaft, spielen unterwegs Spiele und kehren schließlich in einem Gasthaus ein, wo der Grünkohl serviert wird. Die Pinkelwurst ist eine regionale Spezialität aus Hafergrütze, Speck und Gewürzen, die in einen Naturdarm gefüllt wird. Ihr Name leitet sich vom niederdeutschen Wort pinkeln ab, was so viel wie dünn bedeutet und sich auf den dünnen Darm bezieht. Traditionell wird Grünkohl erst nach dem ersten Frost geerntet, da die Kälte die Stärke im Kohl in Zucker umwandelt und ihn milder macht. Heute ist tiefgekühlter Grünkohl eine praktische Alternative, die das ganze Jahr über verfügbar ist. In früheren Zeiten war der nahrhafte Kohl ein wichtiges Wintergemüse, das Vitamine und Mineralstoffe lieferte, wenn frisches Gemüse knapp war.

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